Dark Shadows Retrospektive - Teil 2: Laura the Phoenix
Einleitung:
In Teil 1 ging es um die ersten Folgen von Dark Shadows, wie sie als recht normale Seifenoper anfing und dann langsam begann, Übernatürliches (i.e. Geister) in die Serie einzubauen. Damit war die Serie auf den richtigen Weg, die eigene Identität hatte sie aber noch nicht gefunden. Einen grossen Schritt machte sie mit der in diesem Teil besprochenen “Laura the Phoenix”-Storyline, die bereits eine äußerst typische Story für Dark Shadows ist. Das sie zusammen mit den Folgen davor gerne an die Seite gedrängt wird, liegt eigentlich nur daran, dass der beliebteste Charakter der Serie noch nicht dabei ist. Aber dazu dann mehr in Teil 3.
Zusammenfassung Folgen 123-210:
Laura the Phoenix (Folgen 123 - 192)
Eine mysteriöse Frau taucht in der Stadt auf. Es ist Laura Murdoch Collins (Diana Millay), Rogers Frau und Davids Mutter! Als David fünf war, wurde sie wegen einer Geisteskrankheit eingewiesen und zog nach ihrer Entlassung nach Phoenix, Arizona.
David bekommt Alpträume von seiner Mutter und ihm in Flammen und Sam beginnt wie besessen ein Bild von einer brennenden Laura zu malen. Roger versucht Laura zu einer Scheidung zu überreden, während Burke versucht von ihr Beweise gegen Roger zu bekommen. Eine Begegnung mit David endet damit, dass der Junge panisch ruft, sie wäre nicht seine Mutter. Damit David sich wieder an sie gewöhnen kann, zieht Laura in Matthews alte Hütte ein. Sheriff Patterson taucht mit einer schlechten Nachricht auf: In Phoenix, Arizona wurde eine verkohlte Leiche als Laura Collins identifiziert! Laura hat keine Erklärung dafür. Sie und David beginnen, miteinander warmzuwerden. Sie sagt ihm, dass sie mit ihm nach Madagaskar gehen will und erzählt ihm die Legende vom Phönix: Ein Wesen, dass unsterblich ist und nie altert, sich aber alle hundert Jahre selbst verbrennt, um erneut zum Leben erweckt zu werden.
Vicki sieht Sams unfertiges Bild von Laura und bittet ihn um dieses Bild. David sieht Vicki mit dem Bild und hängt es sich in sein Zimmer. Laura ist über das Bild sehr erbost und auch David macht das Bild bald Angst. Er bekommt das Gefühl, als wäre es eine Warnung. Laura wiederum versucht Sam, der inzwischen nur noch Laura in Flammen malen kann, vom Malen abzubringen. Dies funktioniert aber nicht. Spät abends sitzt Laura am Kamin und starrt in die Flammen, während dem betrunkenen Sam die Zigarette aus der Hand fällt. Sam wacht auf und versucht das entstandene Feuer zu löschen, dabei verbrennt er sich die Hände und kann nicht mehr malen.
Dafür beendet Josettes Geist das Bild: Es zeigt nun neben Laura auch David im Feuer! Roger verbrennt das Bild, bevor es David noch mehr Angst einjagen kann, denn er will dass David mit seiner Mutter weggeht. Elizabeth will nicht, dass Laura David mitnimmt und will dies zur Not gerichtlich verhindern. Laura starrt erneut in die Flammen und Elizabeth verliert das Bewußtsein. Wieder erwacht leidet sie unter starker Verwirrung und wird schließlich katatonisch.
Von dem Geruch nach Jasmin (Josettes Parfüm) wird Vicky zu einem Friedhof geleitet. Dort findet sie den Grabstein von Laura Murdoch Stockbridge, die vor genau 200 Jahren in einem Feuer umkam. Später entdeckt Vicki in einem Buch eine Laura Murdoch Radcliffe, die vor genau 100 Jahren starb, ebenfalls durch Feuer.
Vicki bekommt den Verdacht, dass Laura an Elizabeth Zustand schuld ist und ruft den Parapsychologen Dr. Guthrie zu Hilfe, der rät, Elizabeth aus dem Haus zu entfernen.
Carolyn (die inzwischen die Leitung von Collinwood übernommen hat und dadurch charakterlich gereift ist) und Joe beschließen, sich zu trennen. Joe beginnt mit Maggie auszugehen.
Dr. Guthrie, Vicki, Roger und Carolyn veranstalten eine Séance, zu der auch Laura auftaucht. Sie versuchen, Josettes Geist zu rufen, damit diese ihnen sagt, wie sie Elizabeth helfen können. Und tatsächlich beginnt Vicki zu stöhnen, französisch zu reden und kryptische Warnungen auszusprechen. Laura kann aber Josette daran hindern, ihren Namen auszusprechen, bevor Vicky ohnmächtig wird.
Die Leiche in Phoenix, Arizona, die für Laura gehalten wird/wurde, verschwindet spurlos. Dr. Guthrie weiht Joe in alles ein und beschließt, ins Mausoleum einzubrechen und das Grab von Laura Murdoch Stockbridge zu öffnen. Sie werden zwar vom Verwalter daran gehindert, doch wieder riechen sie Jasmin und das Grab öffnet sich von selbst. Es ist leer! Daraufhin öffnen sie auch noch das Grab von Laura Murdoch Radcliffe und, oh Überraschung, es ist ebenfalls leer. Man bohrt weiter in alten Zeitungen und findet heraus, das mit ihr in den Armen von Laura Murdoch Radcliffe ihr Sohn David verbrannte!
Um Roger daran zu hindern, David mit Laura weggehen zu lassen, erzählt Dr. Guthrie ihm, was er rausgefunden hat. Roger ist beunruhigt, aber noch nicht überzeugt. Kurz darauf erzählt ihm David, wie er sein eigenes Gesicht im Feuer gesehen hat. Roger, dadurch noch mehr beunruhigt, schenkt sich einen weiteren Drink ein, als sich (wie) von Geisterhand die alte Zeitung öffnet und Roger liest, dass der damalige David sich gegen die Rettung gewehrt hat!
Sie beschliessen, eine weitere Séance zu veranstalten. Doch auf einer Autofahrt wird Dr. Guthrie von etwas geblendet, das er zunächst für Scheinwerfer hält doch mehr wie Feuer aussieht. Er hat einen Unfall und verbrennt im Wagen. Vicki, Sam und David veranstalten trotzdem die Séance. Bei dieser durchlebt David den Feuertod von David Radcliff in der Hütte am See. Burke ist dabei im Nebenraum.
Laura hat jetzt mit Roger und Burke beide ihre “Verbündete” verloren, welche einen Waffenstillstand vereinbaren, um David vor Laura zu schützen. Vicki realisiert, das David Radcliff vor exakt 100 Jahren starb. Damit ist David heute Nacht in Gefahr!
Roger sagt Laura, sie soll gehen, ohne David. Überraschenderweise gibt sie nach und will am nächsten morgen gehen. Spät am Abend materialisiert Laura in Davids Zimmer, überzeugt ihn, dass er ins Internat gesteckt werden soll und dass er sich kommende Nacht mit ihr trifft.
Die nächste Nacht bemerkt Joe bei dem Zeitungsausschnitt zu David Radcliffs Tod eine semantische Ungenauigkeit: Daher kann auch diese Nacht gemeint sein! Er informiert Vicky und Burke (welche sich auf ihrem Date befinden) und sie rasen Nachhause um zu entdecken: David ist verschwunden!
Alle suchen nach David, bis Josette Vicki hilft, sich an ein Detail aus der Séance zu erinnern: Die Hütte am See. Dort hat sich David mit Laura getroffen. Laura gibt ihm die Öllaterne und sagt ihm, er soll in die Flamme schauen. Von der Flamme wird David schläfrig, lässt die Laterne fallen und ein Feuer bricht aus. Laura beschwört ihn, ihr in die Flammen zu folgen!
Vicki erreicht die Hütte, kann aber David nicht erreichen. Elizabeth erwacht im Krankenhaus und schreit hysterisch Davids Namen. Vickis und Elizabeth Rufe lassen David zögern. Damit ist es zu spät für Laura: Sie verbrennt ohne David. David verlässt die Hütte und bricht weinend in Vickis Armen zusammen.
Jason McGuire (Folgen 193-210)
Die erwachte Elizabeth will so schnell wie möglich zurück nach Collinwood und macht sich Sorgen, dass Dr. Guthrie bei seinen Nachforschungen in irgendwelche verschlossenen Bereiche des Hauses eingedrungen ist. Außerdem fragt sie nach einem Schlüssel, den sie immer um den Hals trug. Im Blue Whale, der örtlichen Kneipe, taucht ein Fremder auf, der sich als Jason McGuire (Dennis Patrick) vorstellt und Fragen über Elizabeth stellt.
Sam bekommt Besuch von einer Frau, die alte (aber nur alte) Bilder von ihm kaufen will. Daher fordert Sam von Roger Bilder zurück, die er ihm zum Schein für 15000 Dollar verkauft hat. Tatsächlich war das Geld Schweigegeld, da Sam Roger am Steuer des Wagens gesehen hat, als er den Mann überfahren hat, für dessen Tod Burke ins Gefängnis ging.
Jason McGuire besucht Collinwood und erzählt, er wäre hier schon sehr häufig gewesen. Elizabeth ist über den Überraschungsbesuch offenbar alles andere als erfreut. Jason erinnert sie an etwas, das vor 18 Jahren geschah und “erbittet” eine Einladung “für eine Weile” auf Collinwood “zu Gast” zu sein. Elizabeth gibt Roger gegenüber zu, dass Jason ein Freund ihres verschwundenen Mannes Paul ist, hält sich aber ansonsten bedeckt.
Der von Sam bedrohte Roger kann nirgendwo die Bilder finden und beschließt, die Tür zu einem verschlossenem Kellerraum (zu dem Elizabeth angeblich den Schlüssel verloren hat) mit der Axt zu öffnen, um dort zu suchen. Elizabeth hindert ihn daran und bedroht ihn, ihn aus dem Haus zu werfen, wenn er den Raum nicht in Ruhe lässt.
Bei einer Verabredung im Blue Whale treffen Vicki und Burke auf Jason und seinen frisch im Ort eingetroffenen Kumpel Willie Loomis (zunächst James Hall, nach 7 Folgen rausgeschmissen und durch John Karlen ersetzt). Dieser wird bei Vicki zudringlich, sucht Streit mit Burke und fordert von Jason die Hälfte von dem Geld, das er aus Elizabeth rauspressen will. Auf Collinwood will er auch wohnen, was Jason strickt ablehnt.
Der betrunkene Sam lamentiert über die verschwundenen Bilder. Seine Tochter Maggie realisiert, dass er von den Bildern spricht, die er vor zehn Jahren Roger verkaufte und viel mehr Geld bekam als normal. Daraus schlussfolgert sie, dass das Geld nicht für die Bilder war und Roger tatsächlich schuldig ist! Auf die Frage, warum er auf den Handel eingegangen ist erklärt er ihr, er brauchte das Geld für die Behandlung der Krankheit ihrer Mutter. Dies nützte nichts, sie starb trotzdem. Aufgrund der enttäuschten Maggie erzählt Sam Burke die Wahrheit.
Sam und Burke suchen Roger und Elizabeth auf. Sam und Burke erzählen ihr die ganze Geschichte und überlassen es ihrem Gewissen, ob sie die Polizei ruft.
Bei einer weiteren Auseinandersetzung zwischen Jason und Elizabeth werden dem Zuschauer die Karten auf den Tisch gelegt: Elizabeth hat vor 18 Jahren ihren Mann umgebracht und Jason ihn in dem Kellerraum vergraben. Seitdem wurde der Raum nicht mehr geöffnet und Elizabeth blieb im Haus um sicherzugehen, dass niemand in den Raum eindringt.
Willie wurde aus seiner aktuellen Bleibe geworfen weil er den Vermieter “geschubst” hat und steht in Collinwood auf der Matte. Er presst Jason dazu, dass auch er dort wohnen kann. Willie wird erst Vicki gegenüber und später gegenüber Carolyn zudringlich und man weiss nicht so recht, wie weit dies gegangen wäre, wäre bei Vicki niemand reingekommen bzw. hätte Carolyn nicht Rogers Revolver auf Willie gerichtet.
Jason fordert Willie auf, sich besser zu benehmen, dieser hat aber bereits etwas anderes im Auge: Er entdeckt im Foyer das Bild von Barnabas Collins, einem Vorfahren, welcher nach England ausgewandert sein soll und dort auch starb. Vorallem die abgebildeten Juwelen haben es ihm angetan. Als alle den Raum verlassen haben, fangen die Augen des Bildes an zu leuchten und man hört einen Herzschlag.
Als Willie für immer mehr Ärger sorgt (z.B. Prügelei/fast-Messerstecherei mit Burke, die schon beschriebenen fast-Vergewaltigungen…) und Sachen stiehlt, sagt Jason Willie, welcher immer mehr in den Bann des Bildes gerät, er solle Dinge stehlen, die niemand vermisst. Da Willie von David gehört hat, dass Naomi Collins einer Legende nach Juwelen von einem Piraten bekam und mit ihnen begraben wurde, bekommt er eine Idee. Anders als der Rest der Familie sind Naomi und ihr Mann Joshua in einer Gruft auf dem Eagle Hill Friedhof bestattet. Willie dringt in diese Gruft ein. Beim Versuch, Naomis Sarg zu öffnen, löst er versehentlich einen Mechanismus aus und ein Geheimraum öffnet sich. In diesem Geheimraum findet Willie einen mit Ketten umwickelten Sarg. Im Glauben, die Juwelen gefunden zu haben, bricht er die Ketten auf und öffnet den Sarg. Willie blickt mit entsetztem Gesicht ins Innere, als sich eine Hand aus dem Sarg streckt und ihn bei der Kehle packt.
Barnabas Collins ist frei!
Fortsetzung folgt…
Beobachtungen, Hintergrund, Fazit & Co:
Während vorher die Bedrohung noch aus einem simplen Mörder bestand und das Übernatürliche lediglich schützend auftrat, haben wir mit “Laura the Phoenix” das erste Mal eine übernatürliche Bedrohung. Und damit kommt auch das erste Mal die typische Dark-Shadows-Stimmung auf. Man geht auch stark auf die Vergangenheit der Collins-Familie ein. Allerdings ist die Vorgeschichte von Laura Collins eines der Dinge, die später massivst abgeändert wurden. Auch finden die ersten Séancen statt, eine Handlungselement, das noch öfter Verwendung finden wird. Generell hat die Storyline auch einige Charaktere ein grosses Stück vorangebracht. Carolyn muss Verantwortung übernehmen und ist nicht mehr so die verwöhnte Ziege, wie wir sie vorher häufig erlebt haben, auch wenn sie später immer wieder mal in diese Phase zurückfällt. Auch David und sein Vater Roger verstehen sich nach diesen Ereignissen deutlich besser.
Zu erwähnen ist noch, das Lauras zweiter Körper (die verbrannte Leiche aus Phoenix, Arizona) nicht wirklich in den Hintergrund passt. Alle hundert Jahre verbrennt sich Laura, ihre nächste Verbrennung steht kurz davor, aber offenbar hat sie sich gerade erst in Phoenix verbrannt. Etwas, das auch durch ihren zweiten Auftritt in der Serie nicht geklärt wird, aber mehr dazu im entsprechenden Teil.
Auffälliges an “Spezialeffekten”: Wenn es brennt sind die Flammen praktisch vor dem Bild, was natürlich sehr unecht aussieht. Außerdem kam es, da Live in einem Studio gedreht wurde, bei der Szene in der Laura ein Feuer in Sams Haus auslöst, zu einer witzigen Panne: Bei der auf den Brand folgenden Szene im Salon der Collins konnte man unter der Wand den Rauch aus Sams Haus hervorquellen sehen.
Anzumerken ist vielleicht noch, dass Laura-Darstellerin Diana Millay während der gesamten Dreharbeiten schwanger war. Ich meine mal gelesen zu haben (hab’ die Quelle leider nicht mehr gefunden, sorry) dass die Produzenten von ihrer Schwangerschaft zu Anfang nichts wussten und diese der Grund war, das ihre Storyline früher als geplant beendet werden musste. Inwieweit dies zu der darauffolgenden Storyline führte kann ich nicht sagen, da fehlen mir die Hintergründe (bin aber im Begriff, dies zu ändern):
Mit der “Jason McGuire”-Storyline kehrt die Serie kurzzeitig zu seinen Wurzeln zurück. Leider, muss man da sagen. Zwar werden einige angefangene oder angeteaste Storys weiter vorangebracht (Burke Devlin, Elizabeth verlässt nie Collinwood, ihr verschwundener Mann), dies ginge aber auch parallel zu interessanten Storylines, wie wir in der folgenden Storyline sehen werden. Denn die “Jason McGuire”-Storyline ist ja noch nicht abgeschlossen, sondern wird in der “Barnabas”-Storyline noch einige Folgen mitlaufen gelassen.
Fortsetzung folgt mit: Teil 3 - Barnabas
Folgen veröffentlicht in: Dark Shadows: The Beginning 4-7 oder der Superbox (Neuauflage, Limited schon vergriffen).
Dark Shadows Retrospektive - Teil 1: The Beginning
Einleitung:
Wer es noch in keinem anderen Beitrag gelesen hat: Dark Shadows war eine tägliche Gothic Soap, die von 1966 bis 1971 über 1225 Folgen lang lief und im Laufe der Zeit immer mehr übernatürliche Elemente (Geister, Vampire, Hexen, Zeitreisen, Werwölfe, Leviathane usw.) eingeführt hat. Der grosse Durchbruch gelang ihr dabei mit der Einführung der Figur des Vampirs Barnabas.
Tatsächlich ist es sogar so, dass die ersten Folgen vor dem ersten Auftritt von Barnabas ein unbeliebtes Dasein führen. So werden diese bei Wiederholungen gerne ausgelassen und auch bei den DVDs begann die Box Nr.1 mit der Folge 210 und enthielt eine 13-minütige Zusammenfassung der ersten Folgen. Erst nach der Veröffentlichung aller Folgen danach wurden diese ersten Folgen ebenfalls mit der Reihe Dark Shadows: The Beginning veröffentlicht. Wer sich die folgende Zusammenfassung durchliest, bekommt auch einen guten Eindruck woran dies liegt. Die Serie begann als recht normale Soap mit eher übliche Soap-Elementen, nur halt in einer spukigen Umgebung. Übernatürliche Elemente wurden erst nach und nach eingeführt, in der Hoffnung, die Quoten zu steigern.
Ursprünglich war es meine Absicht, diese Prä-Barnabas-Folgen komplett in diesem ersten Teil abzuhaken, fand dann aber einen späteren Handlungsbogen wert, als eigenen Teil abzuhandeln.
Zusammenfassung Folgen 1-126:
Victoria Winters
Die Serie beginnt mit Victoria Winters (Alexandra Moltke) (kurz: Vicki) Ankunft im Fischerdorf Collinsport. Dort soll sie für die Collins auf Collinwood als Tutorin für den neunjährigen David Collins (David Henesy) arbeiten. Doch bereits nach ihrer Ankunft wird sie von ihrem Mitreisenden Burke Devlin (Mitchell Ryan) und der Kellnerin Maggie Evans (Kathryn Leigh Scott) vor den Collins gewarnt, ohne dass diese aber dabei spezifisch werden. Vicki hat ihr gesamtes bisheriges Leben in einem Waisenhaus in New York verbracht, vor dem sie ausgesetzt wurde. Nur eine Botschaft mit ihrem Vornamen lag dabei, ihr Nachname stammt daher, dass sie im Winter ausgesetzt wurde. Jeden Monat bekam das Waisenhaus einen Brief ohne Absender mit einem Scheck, welcher in Bangor, Maine abgestempelt wurde. Als sie wie aus heiterem Himmel ein Stellenangebot aus der Nähe von Bangor erhielt, nahm sie dieses an, in der Hoffnung, ihrer Herkunft auf die Spur zu kommen.
Das Angebot stammt von Elizabeth Collins Stoddard (Joan Bennet), Davids Tante. Diese hat das Haus nicht mehr verlassen, seit ihr Mann verschwunden ist. Dies geschah kurz vor der Geburt ihrer inzwischen 18jährigen Tochter Carolyn Stoddard (Nancy Barrett). Auf Vickis Frage, warum ausgerechnet sie engagiert wurde, antwortet Elizabeth ausweichend.
Elizabeth hat Vicki entgegen den Wünschen ihres Bruders und Davids Vater Roger Collins (Louis Edmonds) nach Collinwood geholt, womit er Vicki gegenüber entsprechend barsch reagiert. Dass David sie mit “Ich hasse dich” begrüßt, macht es für sie nicht angenehmer. Ebensowenig, dass ihr von Carolyn (scherzhaft) und David (ernsthaft) erzählt wird, dass es auf Collinwood spuken würde. Ein Gerücht, das von plötzlich zuschlagenden Türen und einem mysteriösen Weinen unterstützt wird.
Ebenfalls als von Geistern heimgesucht gilt Widows’ Hill, auf dem Collinwood steht. Von dem Cliff dort sind im Laufe der Zeit zwei Frauen runtergesprungen, namentlich Josette Collins und Samantha Collins. David prophezeit Vicki, dass sie die Dritte wird. (Wir kommen darauf zurück.)
Burke Devlin
Dafür, dass in den ersten Folgen auch was passiert, sorgt Vickis Mitreisender Burke Devlin. Dieser war nämlich vor Jahren mit Roger und dessen späterer Frau Laura gut befreundet. Doch nach einer Party haben die Drei einen Mann totgefahren. Roger und Laura haben ausgesagt, dass Burke am Steuer saß und Burke wanderte für fünf Jahre ins Kittchen. Obwohl Burke zu betrunken war, um sich an den Abend zu erinnern, ist er sich sicher, dass er nicht am Steuer saß und schwor Rache gegen Roger. Nach seiner Freilassung gelang es ihm, grosse Geldsummen zu verdienen und kehrte nach Collinsport zurück.
Burke und Carolyn beginnen bald heftig zu flirten, was Roger ebensowenig gefällt wie ihrem Freund Joe Haskell (Joel Crothers). Auch sind sich Burke und David symphatisch, was einerseits daran liegt, das nicht ganz klar ist, ob Roger der Vater ist oder vielleicht doch Burke, und auch an der Antipathie zwischen David und seinem Vater, die ebenfalls auf dem eben genannten Grund fusst. Auch mit Vicki versteht Burke sich immer mehr.
Burke versucht Informationen von seinem früheren Freund (und Vater von Maggie) Sam Evans (ein paar Folgen Mark Allen, dann umbesetzt mit David Ford) zu bekommen. Sam ist Maler und hatte irgendetwas mit der Sache zu tun, jedenfalls ist er seit damals ständig betrunken. Es folgt ein kurzes aber erstaunlich langweiliges Intermezzo: Nachdem Roger gedroht hat, David wegzuschicken manipuliert dieser die Bremsen seines Vaters (genauer gesagt: er entfernt das “bleeder valve”). Dusseligerweise kommt kurz darauf Burke in die Garage und wird von Vicki mit der Zange in der Hand gesehen. Es kommt wie es kommen muss: Rogers Bremsen versagen, er wird nur leicht verletzt und alle denken, Burke war’s. Nachdem wochenlang jeder jedem erklärt, was eine “bleeder valve” ist, kommt irgendwann heraus dass es David war und die Sache löst sich in wohlgefallen auf.
Burke versucht, der Collins-Familie geschäftlich zu schaden. Bill Malloy (Frank Schofield), Manager der Fabrik der Familie, Bewunderer von Elizabeth und nicht gut zu sprechen auf Roger, trifft mit ihm ein Abkommen: Wenn er für Burke herausfindet, was passiert ist, lässt Burke Elizabeth in Ruhe. Bill hat vom betrunkenen Sam erfahren, dass dessen Aussage Roger ins Gefängnis bringen könnte. Er arrangiert ein Treffen zwischen Burke, Sam und Roger, taucht aber selber nicht auf. Einen Tag später entdecken Vicki und Carolyn seine Leiche auf den Felsen vor Widows’ Hill.
Der Mord an Bill Malloy
Elizabeth und Roger schicken Collinwoods Hausmeister Matthew Morgan (Thayer David, bevor die Rolle interessant wurde George Mitchell), um was die Mädchen gesehen haben zu überprüfen. Dieser meldet, nur Seetang gefunden zu haben, der wie ein Körper aussah. Carolyn und Vicki glauben dies nicht ganz und später gibt Matthew auch zu, dass er Bills Leiche gesehen hat und sie zum Schutz der Familie wieder ins Meer schob. Elizabeth verständigt Sheriff Patterson (Dana Elcar).
Roger ist natürlich der Hauptverdächtige. Mrs. Johnson (Clarice Blackburn), Bill Malloys Haushälterin, verbündet sich mit Burke und beginnt für die Collins-Familie zu arbeiten um herauszufinden, was die Familie mit Malloys Tod zu tun hat.
Nach 70 Folgen fängt die Serie endlich an, interessant zu werden: Im “Old House” (dem ehemaligen Sitz der Collins-Familie) steigt der Geist von Josette Collins (Kathryn Leigh Scott aka Maggie Evans unter meterweise Tüll) von ihrem Porträt herab und rennt ein paar Mal vor dem Haus auf und ab, wird aber von niemanden beobachtet.
David öffnet den versiegelten Flügel von Collinwood, lockt Vicki hinein und schließt sie darin ein. Dort taucht Bill Malloys Geist auf, warnt sie, aus Collinwood zu fliehen und hinterlässt nur Seetang. Nach einer Weile wird sie von Roger befreit, der durch eine Geheimtür in den versiegelten Bereich gelangte. Dass Vicki einen Geist gesehen hat ändert Davids Einstellung zu ihr.
Vicki beginnt immer mehr über den Mord herauszufinden, was dazu führt, dass irgendjemand versucht, sie zu umzubringen. Wie sich herausstellt war es Matthew Morgan. Dieser hat auch Bill Malloy ermordet, da er dachte, dieser wolle Elizabeth schaden. Vicki entkommt, erzählt alles, Matthew flieht und versteckt sich im Old House. Später nimmt er Vicki erneut gefangen und sperrt sie gefesselt und geknebelt in einem Geheimraum ein. Matthew dreht immer mehr ab und macht Vicki für alles Schlimme verantwortlich. Nach einer Weile beginnt er die Stimme von Josette zu hören. David, der nicht an Matthews Schuld glaubt, ihn im Old House entdeckt hat und mit Essen versorgte, entdeckt Vicki im Versteck. Doch aus Angst, ins Gefängnis zu kommen, lässt er sie dort. Bills Geist erzählt Matthew, das diese Nacht jemand in Collinwood sterben wird. Matthew interpretiert dies falsch und beschließt, Vicki umzubringen. Josettes Geist erscheint Vicki und spricht ihr Mut zu. David erzählt schließlich doch Burke und Roger vom Versteck. Matthew erscheinen die Geister von Bill Malloy und der Witwen von Widows’ Hill und stirbt. Vicki wird von Burke und Roger befreit.
Eine mysteriöse Frau taucht in der Stadt auf. Es ist Laura Murdoch Collins (Diana Millay), Rogers Frau und Davids Mutter!
Fortsetzung folgt…
Beobachtungen, Hintergrund, Fazit & Co:
So, das war viel Text und größtenteils kein unbedingt so interessanter Inhalt. Ich möchte erinnern: 126 halbstündige Folgen. Folgen die nicht sehr beliebt sind, aber schon einige Elemente einführen, die hier nicht unbedingt schon eine grosse Rolle spielen, aber später noch wichtig werden. Dasselbe gilt auch für die Charaktere. Beginnen wir doch mit den Wichtigsten: Victoria ist (zumindest bis ein gewisser jemand mit spitzen Zähnen auftaucht) die Hauptperson dieser Serie. Sie ist nett, liebenswert, ein bisschen zu neugierig für ihre Gesundheit und sieht schnuckelig aus.
Elizabeth ist etwas mysteriös und unnahbar, aber auch warmherzig.
Roger ist sehr abweisend, spottend, gefühlskalt, ruppig, hasst seinen Sohn, kurz: Ein ziemlicher Arsch. Glücklicherweise bessert er sich.
Der kleine David ist kurz gesagt ein Psychopath. Dies bessert sich in Zukunft auch, normal wird die Rolle aber nie. Man hat allerdings mit David Henesy einen sehr guten Kinderdarsteller engagiert, was sich später noch zeigen wird.
Carolyn ist auf den ersten Blick sympathisch, das ändert sich aber, wenn man sie genauer kennenlernt. Sie ist reichlich verzogen und wird schnell kindisch. Das äußert sich sehr gut darin, das sie bei Kleinigkeiten völlig übertrieben eifersüchtig wird, aber nicht einsieht, dass ihr Freund es nicht gern hat, wenn sie den ganzen Abend in Hotelzimmern älterer Männer rumhängt. Auch sie bessert sich deutlich.
Burke Devlin ist ein interessanter Charakter: Sein Zorn auf Roger ist gerechtfertigt, seine Methoden sind aber teilweise recht übertrieben. Mehrere Mitglieder der Familie sind ihm symphatisch, trotzdem greift er die Familie als Ganzes an. Auch wieviel seiner Flirterei mit Carolyn auf Berechnung beruht, ist schwer zu sagen. (Detail am Rande: Der Darsteller spielte in einer TNG-Folge Rikers Vater.)
Sheriff Patterson taucht in dieser Aufzählung nur auf, weil sein Darsteller Dana Elcar vielen aus MacGyver als MacGyvers Freund/Chef Pete Thornton bekannt ist.
Allgemein kann man zu der Serie sagen, dass sie sehr unter ihren Produktionsbedingungen leidet. Die Folgen wurden in einem Rutsch gedreht, einen zweiten Versuch gab es in der Regel nicht. Daher sind die Folgen vollgestopft mit Produktionsfehlern. Versprecher sind an der Tagesordnung, wobei ich persönlich gerne Louis Edmonds hevorhebe, da er häufig Versprecher durch etwas Improvisation wieder kitten konnte. (…when I got to that big curve a hundred miles… a hundred miles… it seemed like a hundred miles… a hundred feet from…)
Mikrofonschatten sieht man so häufig, das die Serie von manchen als “Mike Shadows” bezeichnet wird. Auch größere Fehler kommen ab und zu vor. (Oh, da wird gerade Kamera 2 ins Bild geschoben!)
Andere Randbemerkungen: Die Folgennummerierung unterlag einem bestimmten Schema: Am Montag endete eine Folgennummer mit 1 oder 6, am Dienstag mit 2 oder 7 usw. Wenn jetzt an einem Tag mal keine Folge lief, so wurde die Nummer einfach übersprungen. So kommt es auch, das die letzte Folge die Nr. 1245 trägt, es aber die 1225. Folge ist. Auch kam es ab und zu zu Umbesetzungen. So gab es hier schon zwei Charaktere, die die ersten paar Folgen von anderen Darstellern gespielt wurden, sich aber scheinbar als nicht so gute Wahl herausstellten. Die Späteren sind auch besser. Später kommt es auch zu Umbesetzungen, da der Schauspieler ausstieg oder ständig besoffen war, aber dazu kommen wir, wenn es so weit ist.
Komm doch nochmal auf diese Folgen hier zurück.
Ups, sorry. Also wir haben einige recht interessante Charaktere, aber zu Beginn wirklich sehr soapige Plots. Und bei der Bleeder-Valve-Geschichte konnte ich meinen Sarkasmus auch in der Zusammenfassung nicht für mich behalten. Mit der Bill-Malloy-Storyline und dem Einbauen der ersten übernatürlichen Elemente verbessert es sich schon deutlich, aber etwas Zeit benötigt die Serie noch, um ihre Identität zu finden. Die damit eingeführte Figure der Josette (wenn hier auch noch unter Tüll) wird sich noch als sehr wichtig erweisen. Auch das eine Darstellerin zum ersten Mal in der Serie noch einen anderen Charakter spielt, wird wegweisend sein (wenn auch, wie gesagt, noch unkenntlich, Tüll eben). Recht interessant, kann man aber schon noch weglassen.
Was gibt’s neben der Serie noch?
Nach Serienende wurden zwei Spielfilme gedreht (House of Dark Shadows, Night of Dark Shadows) mit Originalschauspielern, aber nicht dem Canon der Serie folgend. Außerdem gab es Buch- und Comic-Reihen. Derzeit noch laufend ist eine Hörspiel/Hörbuch-Reihe mit Originaldarstellern bei Big Finish (die auch die Doctor-Who-Hörspiele machen). 1991 wurde ein Remake als Prime-Time-Serie gemacht, dieses schaffte es aber nur auf zwölf Folgen. Ein weiteres Remake wurde 2004 versucht, aber nicht umgesetzt und der (unfertige) Pilotfilm wurde nur auf Festivals gezeigt. Und natürlich noch das aktuelle Kino-Remake von Tim Burton.
Gibt’s das auch auf deutsch?
Die Original-Serie? Nö. Was es aber gibt: Das 1991er-Remake lief auf RTL im Nachtprogramm. Auch sind ein paar der Bücher in den Heftroman-Reihen “Gaslicht” und “Vampir Horror Roman” als Subserie “Barnabas der Vampir”. Auch Comics wurden in der Serie “Dracula und Co.” veröffentlicht. Auch die beiden Filme gab’ es schon mal in Deutschland, hier unter den Titeln “Das Schloß der Vampire” und “Das Schloß der verlorenen Seelen”. (Wer das kennt, bitte schreiben!)
Fortsetzung folgt mit: Teil 2 - Laura the Phoenix
Folgen veröffentlicht in: Dark Shadows: The Beginning 1-4 oder der Superbox (Neuauflage, Limited schon vergriffen).
Noch ein Kino-Tipp: Attack the Block
Es ist recht schade, dass zwei Genre-Filme („Hell“ und „Attack the Block“) am selben Tag (22.9.11) ins Kino kommen, die beide weniger Zuschauer bekommen werden als sie verdienen. Eventuell könnte man sie für sich zu einem Double-Feature bündeln, aber ich greife vor.
„Attack the Block“ spielt in einem der sozialen Brennpunkte von London, von denen man in letzter Zeit soviel hört. Es beginnt mit einer jungen Frau, die von ein paar Kids mit dem Messer bedroht und beklaut wird. Der Überfall ist mitten im Gange, als plötzlich etwas von oben ins Auto direkt daneben crasht. Die Frau läuft weg und Moses, der Anführer, guckt ins zerstörte Auto, ob man da noch was abgreifen kann. Da wird er von dem Alien angegriffen, das ins Auto crashte. Das Vieh läuft weg, die Gang läuft ihm nach und macht es fertig. Die Leiche schaffen sie zum örtlichen Marihuana-Bauern (Nick Frost meine Dame und Herren! Applaus Applaus Applaus!), denn der guckt viele Tierfilme. Doch dann landen plötzlich im ganzen Block ein Haufen weiterer Aliens. Und diese Gorilla-Wolf-Viecher sind um einiges größer als das Erste…
Soweit schätzungsweise die ersten zehn Minuten. Und dann geht‘s rund.
Bemerkenswert ist wie schnell der Film in die Gänge kommt und auch, dass man die Hauptfiguren, trotz des Überfalls, überraschend schnell sympathisch findet. Die Lebenssituation wird im Film überaus realistisch beschrieben, aber sehr Matter-of-factly anstatt dass man auf die Dramatube drückt.
Der Film wird gerne mit „Von den Produzenten von Shaun of the Dead“ beworben, ist allerdings, obwohl er von vorn bis hinten von Humor durchzogen ist und sich auch nicht sehr ernst nimmt, weder Komödie noch Parodie. Allerdings zollt er schon eine gewisse Hommage an diverse 80er-Jahre-Filme.
Hier noch der Trailer:
„Hell“-Vorpremiere: Ein kurzer Eindruck
Ich komme gerade von der Vorpremiere von „Hell“ (inklusive Gesprächsrunde mit Regisseur, Produzent und männlichem Hauptdarsteller) in Hannover zurück und dachte, ich missbrauche mal den WebBeat für einen kurzen Eindruck. (Und kopiere das ganze noch in meinen Tumblelog.)
Eines Vorweg: Mein größter Kritikpunkt an dem Abend waren die Leute in der Reihe hinter mir, aber das gehört hier nicht her.
Bei „Hell“ handelt es sich um einen deutschen Endzeit-Film. Ja, ihr habt richtig gelesen. Es ist ein deutscher Film in dem es weder um Nazis (oder den äquivalenten Themen Stasi und RAF) geht, noch ist es eine Komödie in die Männer mit ´nem Bier inner Hand reingehen, um darüber zu lachen, was für Weicheier die Luschis auf der Leinwand sind.
Der Film „Hell“ spielt im Jahre 2016. Innerhalb von vier Jahren sind durch Sonnenstürme (so schreibt es zumindest die Zeitung) die Temperaturen um 10°C angestiegen. Das Wasser ist knapp, die Vegetation nicht vorhanden oder recht angekokelt, es sieht aus wie in der Hölle und tagsüber ist es verdammt Hell. (Man beachte die Doppeldeutigkeit des Filmtitels.)
Zwei Schwestern, Marie (Hannah Herzsprung) und die Teenagerin Leonie (Lisa Vicari) sind zusammen mit Phillip (Lars Eidinger) in dessen Auto unterwegs in die Berge, denn da soll es noch Wasser geben. (Darum sind auf den Evian-Flaschen ja auch Berge abgebildet.) Aufgrund der Sonne sind der größte Teil der Scheiben mit Zeitungen abgedeckt und dem direkten Sonnenlicht setzen sie sich auch nur komplett vermummt mit Skibrille auf aus, sonst kann das ganz besonders hässlichen Sonnenbrand geben. Beim Benzin holen an einer (scheinbar) verlassenen Tankstelle wird Leonie kurzerhand von Tom (Stipe Erceg) als Geisel genommen. Nach einer kurzen Befreiungsrangelei kommt man zu einer Einigung: Tom bessert den Wagen etwas aus und wird dafür mitgenommen. Doch schon bald stößt man auf einen die Straße blockierenden Strommast, der sich als Falle entpuppt. Auto und Leonie werden entführt von Leuten, mit denen man sich nicht so einfach einigen kann. Und was diese mit Leonie beabsichtigen, kann man sich als Genre-Kenner denken…
Zum Film: „Hell“ wird öfter mit „The Road“ verglichen, und anfänglich ähnelt sich die Stimmung auch sehr. Lediglich die blendend hellen Aussenszenen heben sich dort im besonderen ab. Dann aber shiftet der Film langsam in ein anderes Genre. Zwar gab es auch in „The Road“ Kannibalen, hier ähnelt dies aber doch sehr dem Backwood-Slasher-Genre, was aber keineswegs etwas schlechtes ist, im Gegenteil. Zum Einen wird die Spannungsschraube stärker angedreht und macht den Film auch Massenkompatibler als das unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufene „The Road“. Außerdem führt dies auch zum Auftauchen meines Lieblingscharakters der Films, die Bäuerin Elisabeth, oder wie ich sie auch gerne nenne: „Die Grusel-Oma“ (Angela Winkler). Die hätte ich den ganzen Film über sehen können.
Nach dem Film gab es die schon erwähnte Gesprächsrunde mit dem Regisseur (Tim Fehlbaum), Produzenten (Thomas Wöbke) und Hauptdarsteller (Stipe Erceg). (Eigentliche Hauptdarstellerin ist Hannah Herzsprung, aber man nimmt, was man kriegt.) Der Regisseur erzählte auch als erstes von zwei Mädchen, die eben gerade aus dem Kino kamen und ihm sagten: „Hast nix verpasst, die ersten 45 Minuten waren scheisse.“ (Über die Qualität des Publikums hab‘ ich mich ja schon geäußert.) Ich versuche mal, ein paar Informationen zusammenzukriegen: Der Film wurde unter anderem im schwarz angepinselten Bayerischen Wald (aber mit Öko-Farbe!) und in einem Waldbrandgebiet auf Korsika gedreht. Zunächst wollte Tim Fehlbaum einen Zombie-Film drehen und hat auch einen Kurzfilm als Demonstation gedreht. (Derzeit ist er noch bei ihm unter Verschluss, er plant aber, ihn eventuell bald ins Internet zu stellen.) Ursprünglich sollte der Film im Jahre 2012 spielen, aber die Produktion dauerte zu lange. „2012“ war auch mal als Titel geplant, aber den hatte sich schon jemand gesichert. Roland Emmerich hat im übrigen damit geholfen, den Film an ein Studio zu bringen und von ihm stammt der Ratschlag, immer alles sehr staubig zu machen. (Was ihm die „angestaubten“ Schauspieler sehr „dankten“.)
Kritik kam von zwei eher älteren Herren: Einer meinte, ein Film in dem etwas so makabres wie Kannibalismus vorkommt, könnte sich gar nicht verkaufen (ja nee, is klar), der andere krittelte die FSK16-Freigabe als zu niedrig an. (Wenn ich mal bedenke, was in letzter Zeit vom Index genommen und neu als FSK16 freigegeben wurde, schrammt bei mir der Film sogar noch knapp an einem 12er-Flatschen vorbei.)
Eine Idee für den Titel einer eventuelle Fortsetzung hätte Tim Fehlbaum auch schon: „Dunkel“
Fazit: „Hell“ ist ein guter, aber kein großartiger Endzeit-Film. Tatsächlich ist der entscheidende Pluspunkt des Filmes, das es ein deutscher Film ist. Dies sorgt einmal für eine vertrautere Atmosphäre (und Schmunzlern bei Nahrungsmittelkartons der Firma „ja!“). Zum anderen bricht es die Monokultur der deutschen Nazi- und Luschen-Filme auf und könnte bei Erfolg zu mehr deutschen Genre-Filmen. (Und deutschen SF-Serien, Raumpatrouille TNG, Doctor Who auf ZDFneo… man wird doch wohl mal träumen dürfen.) Außerdem bin ich gespannt, was Tim Fehlbaum wohl als nächstes dreht.
“Hell” startet am 22.9.2011 im Kino.
Trailer:
Final Destination 5
Hab’ den Film gerade gesehen. Ok, warum sieht sich jemand so einen Driss an? (Fragt sich der ein oder andere)
Final Destination mochte ich sehr, FD2 hab’ ich nur im TV gesehen und fand ihn weniger gelungen. FD3 hab’ ich gar nicht gesehen. Dann kam 3D nach Hannover und ich hab’ mir an einem Wochenende FD4 und “Oben” (tolle Kombi ;) ) angesehen. Das 3D von FD4 wird häufig als schlecht bezeichnet, aber als mein erster 3D-Film schlug es ein (wortwörtlich). Jetzt bekam FD5 eine für einen Final-Destination-Film überraschend gute Wertung auf Rotten Tomatoes (51%, war über die schlechte Wertung von FD1 überrascht.) Also dachte ich: Ok, probier’s noch mal.
Für diejenigen, die das Final-Destination-Konzept noch nicht kennen (Willkommen auf der Erde!) erkläre ich es nebenbei: Nach einem Vorspann, in dem einem ein Haufen Zeug ins Gesicht gepfeffert wird, lernt man die Protagonisten kennen. Diese werden gespielt von Leuten, die vom Mülllaster für defekte Schauspieler gefallen sind. Dann gibt es eine gigamonsterfette Katastrophe, in der die Protagonisten sterben, und zwar noch grausiger, als es in so einer gigamonsterfetten Katastrophe sowieso der Fall wäre. Der Film springt zurück, einer der Protagonisten erinnert sich als Vision daran, dreht komplett durch und in Folge dessen überleben einige von den Figuren. Bis der Tod zurückkommt und sich einen nach dem anderen holt, die in noch grässlicherer Art sterben, als es in der gigamonsterfetten Katastrophe gewesen wäre. Und das war’s im wesentlichen auch.
Im Falle von FInal Destination 5 gibt es auch noch Gastauftritte von Tony Todd (der große schwarze Leichenbestatter aus Teil 1), der erst rätselhafte Andeutungen macht, dann den Leuten erklärt was eigentlich abgeht und schlussendlich urplötzlich und vollkommen aus dem nichts gegriffen eine komplett neue Regel aus dem Hut zaubert: Bring jemanden anderen um, dann kriegst du sein Leben. Toll nicht? Spielt dann aber auch erst am Ende eine Rolle.
Ansonsten werden die Tode wieder schön aufgebaut mit falschen Fährten und bizarren Kettenreaktionen und es fliegt viel Gekröse aus der Leinwand. Auch scheinen alle Figuren an der Glasknochenkrankheit zu leiden, ansonsten könnte man ihre Körper gar nicht dermassen demolieren.
Und als letztes, um nicht zu spoilern, nur ein kurzes Stichwort: Prequel
Für wen ist der Film was? Wenn ihr euch gerne Schlachtabfälle ins Gesicht werfen lasst, dann… ähm, seid ihr für diesen Film etwas überqualifiziert. Guckt ihr euch gerne sowas ähnliches auf der Leinwand an, ist ok.
Cowboys & Aliens (Comic)
Eins vorweg: Ich hab’ den Film nicht gesehen und habe es auch nicht vor. Aber den Comic hab’ ich gestern gelesen. So wie ich das sehe haben Comic und Film so ziemlich zwei Dinge gemein, und beide sind im Titel.
Worum geht es: Ein Trek von amerikanischen Siedlern (im Wilden Westen, falls dies noch niemand gemerkt haben sollte) wird von Indianern angegriffen. Dann landen Aliens und greifen Cowboys und Indianer an. Cowboys und Indianer schliessen sich zusammen und bekämpfen die Aliens. Das war’s eigentlich auch.
Im wesentlichen Popcorn-Kino in Comic-Form. Die Aliens dienen zwar als Metapher auf die Cowboys, die den Indianern das Land wegnehmen, diese ist aber reichlich in-your-face.
Eine witzige Szene betrifft die Anwendung eines ausserirdischen Metalls, welches schwebt, durch die Indianer. Ich bezweifle sehr, dass dies so funktionieren würde, aber mehr will ich dazu nicht sagen, man will ja nicht Spoilern.
(Moment, Idee: Ich schreibe den Spoiler in den Disques-Thread.)
Wer Popcorn-Kino mag und den Film nicht ablehnt wegen der Kombination von Cowboys und Aliens sondern weil er schlecht ist, könnte Spass an diesem Comic haben.
Warum ein Tumblelog?
Wie man sieht, hab’ ich mir bei Tumblr jetzt auch ein Tumblelog zugelegt, also so eine Art Blog. Doch warum? Hab’ ich der Welt etwas besonderes mitzuteilen? Nö, aber das hat ja noch niemanden vom Bloggen abgehalten. Im Grunde genommen geht es um Kram, der nicht in die 140 Zeichen von Twitter passt, mehr Leute angeht als nur meine Facebook-Freunde und auch nicht in der unendlichen Stille von Google+ verhallen soll. Dinge, die auch ein ganz kleines Bisschen mehr Bestand haben sollen als der typische 140-Zeichen-Rant über Hermes, DHL, Bahn etc. Darum erscheinen meine Tweets auch in einer separaten Box statt direkt im Blog. Dies soll ja nicht meine persönliche Müllhalde werden, das ist schon Facebook. (Die Box hab’ ich gestern um Mitternacht schnell ins Template gepfriemelt und dabei hab’ ich HTML seit Ende der 90er nicht mehr angefasst. Daher sieht die Box vielleicht etwas komisch aus.) Also neue Hörspiele von mir kommen hier auf jeden Fall rein, vielleicht schreibe ich auch was zu Dark Shadows (wenn sich nichts besseres ergibt), ansonsten: Mal sehen.
Buchtipp: Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet
Sehr genossen habe ich den ersten Band dieser Krimireihe. Die Titelgebende Heldin ist 11 Jahre alt und lebt in den 50ern mit ihrem Vater, ihren beiden älteren Schwestern und dem Gärtner auf einem alten Anwesen. Flavia kommt mit ihren Schwestern nicht sonderlich gut klar und in ihren Rivalitätsstreitigkeiten nutzt sie ihr Hobby: Sie beschäftigt sich nämlich sehr gerne mit der Chemie, vor allem mit der Herstellung von Giften. (Bei der detaillierten Beschreibung, wie Flavia einen Lippenstift präpariert, lacht mein Chemikerherz. ;) )
Und wie dies in Krimis so ist, findet Flavia nachts einen Ermordeten im Titelgebenden Gurkenbeet. Dummerweise wird ihr Vater verdächtigt und so muss sie selbst den Mörder finden.
Der Fall selber ist nicht besonders raffiniert ausgefeilt, aber das ist auch nicht das Wesentliche. Der Spaß an diesem Krimi kommt vor allem durch die Hauptfigur. Weitere Bücher der Reihe werde ich bestimmt auch lesen.
Anekdote am Rande: Ich hab’ eine sehr lange Liste von noch zu lesenden Büchern, so ein Jahr kann es schon dauern, bis ich ein gekauftes Buch tatsächlich lese. So kam es, dass vor wenigen Wochen mir meine Mutter die Taschenbuchausgabe leihen wollte, ich aber schon das Hardcover hatte, nur halt noch nicht gelesen.
